Gleichstellungspreis Düsseldorf

TuSA bekommt den Gleichstellungspreis

Am 8. März nahmen TuSA-Vorsitzende Ute Groth, Melanie Dornbusch als Leiterin des Leistungszentrums für Mädchenfußball und U11-Trainer Frank Brandes den 1. Gleichstellungspreis der Stadt Düsseldorf von Laudatorin Sigrid Wolf (DGB) und Bürgermeisterin Klaudia Zepunkte entgegen. Die Zeremonie fand in der Hochschule Düsseldorf vor rund 500 geladenen Gästen statt.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde für unser Engagement im Mädchenfußball überreicht. Die Ausrichtung des 1. Grundschulcups für Mädchenfußballmannschaften, der im vergangenen Jahr mit Beteiligung von 13 Schulen ausgetragen wurde, hatte den Ausschlag für die Auszeichnung gegeben. Jury-Mitglied Sigrid Wolf, Regionsgeschäftsführerin DGB Bergisch Land, betonte in ihrer Laudatio, dass es wichtig sei, allen Menschen, gleich welchen Geschlechts, die Möglichkeit zu geben, ihre Interessen und Talente auszuleben und Stereotype aufzubrechen.

Laudatio

Von links nach rechts; Laudatorin Sigrid Wolf (DGB), Melanie Dornbusch, Ute Groth, Frank Brandes, Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke

Lesen Sie hier die Laudatio für den 1. Ersten Gleichstellungspreis [99 KB] der Stadt Düsseldorf 8. März 2019

gehalten von Sigrid Wolf, DGB- Regionsgeschäftsführerin Düsseldorf Bergisch Land

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Präsidentin der Hochschule prof. Dr. Grass
lieb Bürgermeisterin Zepuntke, liebe Klaudia,
liebe Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart,
liebe Jurorinnen,
lieber Mitglieder des Gleichstellungsausschusses,
liebe PreisträgerInnen.

Vorneweg möchte ich all denjenigen Dank sagen, die die Idee und die Umsetzung eines Gleichstel-lungspreises der Landeshauptstadt vorangetrieben haben.

Somit gilt mein Dank Bürgermeisterin Zepunkte, Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart, ihrem Team und den Mitgliedern des Gleichstellungsausschusses sowie dem Rat der Stadt.

Für mich ist es eine besondere Ehre heute die Laudatio in dem großartigen Rahmen unseres gemeinsa-men Festes zum Internationalen Frauentag in Düsseldorf halten zu dürfen. Die Jury hat es sich nicht leicht gemacht. Es haben sich viele tolle Initiativen, Projekte, Organisationen mit den unterschiedlichsten Ansätzen beworben. Und es war wahrlich keine einfache Entscheidung, denn alle Bewerbungen waren ausgezeichnet. Aber: Wer die Wahl hat - hat die Qual.

So mussten wir gemeinsam im Januar eine Entscheidung für den Preisträger des ersten Gleichstellungs-preises der Landeshauptstadt Düsseldorf treffen. Und wie schon bekannt:
unsere Wahl fiel auf
DJK TuSa 06 Düsseldorf e.V.

Warum?

Immer mehr Mädchen wählen Fußball als ihre Sportart. So auch in Düsseldorf!
Im Schulsport und auch in Vereinen gibt es jedoch nur wenige Angebote für junge Sportlerinnen, die gerne und genauso gut Fußball spielen wie die Jungen. 2


Um ein gleichberechtigtes Nebeneinander im Fußball zu ermöglichen, muss die Sportart auch für Mädchen mehr in den Fokus gerückt werden.
Dazu gehören vergleichbare Wettbewerbe, um Anreize zu schaffen und die Wertschätzung zu erhöhen.

Wir wissen:
Schon im frühen Alter - das heißt in der Familie und im Kita- und Grundschulbereich - werden geschlechtsspezifische Stereotypen unserer Gesellschaft geprägt (Puppenecke v. Bolzplatz). Gleichstellung beginnt nicht erst im Beruf, sondern bereits im früheren Kindesalter werden eine gravierende Determinanten für das Rollenverständnis festgelegt. Hier wollen wir – ja hier müssen wir - endlich ein gesellschaftliches Umdenken erreichen. Und das gilt auch für die gleichwertige Akzeptanz und Anerkennung sportlicher und sozialer Leistungen.

Ein kleiner Exkurs:

Setzen wir uns näher Thema Fußball und Frauen auseinander, finden wir interessante Studien z.B. der TU München 2011. Diese ergab, dass im Fußball Männer bei jeglichen Spielunterbrechungen mehr Zeit verstreichen lassen als Frauen. Sie sind wesentlich länger mit Schauspielereien und Jubeln beschäftigt und bleiben bei Verletzung und Fouls länger liegen als Fußballerinnen.

Männer brauchen für eine Auswechslung zehn Sekunden mehr als Frauen und bleiben bei Verletzungen etwas 30 Sekunden länger auf dem Boden liegen. Der Torjubel fällt mit einer Minute sogar doppelt so lang aus.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis:
Bei den Männern ist der Drang der Inszenierung viel stärker ausgeprägt als bei den Frauen. Gestiken der Unschuld nach einem ruppigen Foul, ausgiebige Diskussionen mit dem Schiedsrichter bis hin zu einstudierten Choreographien beim Torjubel. Das sind keine unüblichen Bilder im Männerfußball. Der bei männlichen Fußballern ausgeprägtere Hang zur Schauspielerei wird darauf zurückgeführt, dass Männerfußball weltweit stärker im Medien-Mittelpunkt steht.

Zugegeben:
Beim Lesen dieser Studie konnte ich mir manches Schmunzeln nicht verkneifen – auch fielen mir viele Parallelen in anderen Lebensbereich auf
Und nun zu unserer Entscheidung den 1. Gleichstellungspreis an den DJK TuSA 06 Düsseldorf e.V. zu verleihen.


Die DJK TuSA 06 Düsseldorf e.V. (Deutscher Jugendkraftsport) hat 2018 das erste Leistungszentrum für Mädchen- Fußball gegründet. Der neue Ansatz besteht darin, dass in den Altersstufen U7 bis U9 reine Mädchenteams gebildet werden und sie ernst genommen werden. Diese bringen absolut vergleichbare Leistungen wie gleichaltrige Jungenteams. Dabei gewinnen Faktoren wie Selbstbewusstsein, Team- Gedanke, Fairplay und Gleichberechtigung in kurzer Zeit bei den Mädchen einen hohen Stellenwert. Für die Jury hat dieses Projekt beispielhaften Charakter.

Denn es wird davon ausgegangen, dass gerade diese Faktoren in logischer Konsequenz durch die Mäd-chen auch in andere Lebensbereiche übertragen werden und sie damit zu Gleichstellung- Multiplikatoren werden.

Am 1. Düsseldorfer
Mädchen-Fußball-Grundschulcup beteiligten sich 2018 13 Grundschulen – in diesem Jahr werden schon 20 Schulen mitmachen und die Erfahrungen zeigen, dass für alle Beteiligten wie Sportlerinnen, Lehrkräfte und Zuschauer positive Effekte und Umdenken wirken.

Das Preisgeld soll für qualifizierte Lehrkräfte verwendet werden, die flächendeckend Grundschülerinnen in Mädchenfußball- Projekte einbinden und gleichzeitig Aufklärungsarbeit leisten, um die positive Wir-kung des Fußballs um gesellschaftlichen Diskurs weiter zu verankern.

Die Auszeichnung und Verleihung des 1. Gleichstellungspreises der Landeshauptstadt Düsseldorf setzt ein Zeichen, Mädchen und ihre Trainer auszuzeichnen, die sich für eine Sportart, in der sie von vielen noch belächelt werden, engagieren und stark machen.


Wir als eure Stadt glauben an euch.
Wir schätzen euch.
Wir leben Gleichstellung von Mädchen und Jungen in allen gesellschaftlichen Bereichen und unterstüt-zen eure Arbeit, weil Diskriminierung in dieser Stadt keine Chance haben darf! Die Leistung von Mädchen und Frauen im Fußball verdient Respekt und keine blöden Sprüche!

Dem Verein und seinen engagierten Trainern und Helfern gebührt unser aller Dank, Mädchen diese Chance im Sinne der Gleichstellung zu geben und sie stark und mutig zu machen für die Herausforderungen, die das Leben bietet.

Im Namen der Jury herzlichen Glückwunsch an DJK TuSa 06 Düsseldorf e.V.

Hintergrund:

Ein nicht geringer Anteil am Erfolg unserer Mädchenmannschaften fußt auf dem Frust diverser Mädchen, die von ihren Schulen als Alibi-Spielerinnen bei der offiziellen Stadtmeisterschaft "Jan-Wellem-Cup" eingesetzt wurden. "Ich wurde aufgestellt, weil es hieß, dass in jedem Team ein Mädchen spielen müsse. Eingesetzt wurde ich dann aber nur wenige Minuten, angespielt gar nicht. Die Jungs machten Witze über mich oder ignorierten mich einfach. Der Sportlehrer hat dagegen nichts gemacht. Der wollte nur gewinnen" , berichtete eine Spielerin. Eine andere erzählt: "Obwohl wir in unserer Klasse viele gute Fußballerinnen hatten, meinte unsere Lehrerin, dass allerhöchstens ein Mädchen beim Jan-Wellem-Cup mitmachen darf. Und falls diese Spielerin ausfallen sollte, könnte eine andere nachrücken. Weil die Jungs im Team dann aber protestierten, dass sie lieber einen weiteren Freund in der Mannschaft haben wollten, sagte unsere Lehrerin zu uns: 'Ihr fahrt dann beim nächsten Mal mit' - und das, obwohl wir da schon in der vierten Klasse waren."

Nicht wenige unserer jungen Talente, die in den vergangenen drei Jahren aus allen Teilen Düsseldorfs unsere Mannschaften verstärkten, hatten ähnliche Erfahrungen gemacht. Daher haben wir bei TuSA von Anfang an betont, dass wir jedes Mädchen, dass Fußball spielen will, bei uns hundertprozentig ernst nehmen und maximal fördern. Mit unserem Leistungszentrum für Mädchenfußball sind wir dazu mittlerweile in vollem Umfang in der Lage.


Als TuSA-Trainer Frank Brandes im vergangenen Jahr die Idee eines Grundschulcups für Mädchenfußballmannschaften hatte und diese mithilfe des Sportlehrers Dennis Dübgen von der Bonifatiusschule anging, waren wir daher auch sofort Feuer und Flamme für das Projekt, das überaus erfolgreich durchgeführt wurde und in diesem Jahr noch wachsen soll. Mit dem Preisgeld werden wir dafür Sorge tragen, dass genügend gut geschulte Übungsleiter die Idee in weitere Grundschulen tragen werden und Diskriminierung auf dem Sportplatz in Kürze nur noch eine Erinnerung an vergangene Zeiten darstellt.

Jetzt hoffen wir, dass sich auch die Politik gebührend mit dem Thema auseinandersetzt und den vielen Absichtserklärungen in Sachen Frauenfußballförderung endlich Taten folgen lässt, denn Gleichstellung ist ein Thema, das uns alle noch lange begleiten wird.

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